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Dokumentarfilme

"Im Dokumentarfilm werden heute oft die spannendsten Geschichten erzählt. Die Themen und erzählerischen Formen sind so vielfältig wie das Leben selbst. Unsere Reihe DOKUMENTARFILME IM UNIVERSUM stellt eine Auswahl vor, mit der wir Sie für das Format begeistern wollen - nicht nur montags." (Volker Kufahl, Geschäftsführer Universum Filmtheater)


FINAL ACCOUNT

Do, 19.5. + Di, 24.5., 21:00

Regie: Luke Holland, GB/US 2021, 90 Min., ab 12, Dokumentarfilm

FINAL ACCOUNT ist ein eindringliches Porträt der letzten lebenden Generation, die in Hitlers NS-Diktatur gelebt hat. Über zehn Jahre haben Regisseur Luke Holland und sein Filmteam Männern und Frauen mit verschiedenen Hintergründen − sowohl früheren SS-Mitgliedern als auch Zivilisten − wichtige Fragen zu Mitschuld und Täterschaft, zu nationaler Identität, Ermächtigung und Verantwortung gestellt.

250 Interviews später hat Holland mit FINAL ACCOUNT ein eindrucksvolles Zeitdokument geschaffen, das auf sehr direkte und persönliche Weise eine entscheidende Frage aufwirft: Wie konnte es dazu kommen, dass sich völlig normale, aufstrebende junge Menschen an den Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligten?

Durch die Kombination aus ausführlichen Zeugenaussagen, bisher unveröffentlichtem Archivmaterial und beeindruckenden aktuellen Aufnahmen zeigt Holland, wie sich moralische Normen auflösen und Verschwörungsmythen und Verdrängung das entstehende Vakuum füllen können. Die Protagonistinnen und Protagonisten des Films gehen allesamt unterschiedlich mit den realen Ereignissen der Vergangenheit um.

Fesselnd und verstörend zugleich greift FINAL ACCOUNT in seiner entwaffnenden Ungeschöntheit aktuelle Themen unserer Zeit auf.

Hier eine gute Rezension aus dem "Guardian".


DOK am Montag:

DAS REICHSFILMARCHIV - GESCHICHTE EINER DEUTSCHEN INSTITUTION

Mo, 23.5., 19:00

Regie: Heinrich Adolf, DE 2021, 104 Min.

In Anwesenheit des Regisseurs Dr. Heinrich Adolf

Das Reichsfilmarchiv wurde 1934 gegründet und existierte bis zum Ende des „Dritten Reichs“. Es setzte erste Maßstäbe für die Bewahrung von Filmen, die sichere Lagerung des damals hochexplosiven Filmmaterials und initiierte den internationalen Austausch der Filmarchive (FIAF).

Während des 2. Weltkriegs war es Teil der NS-Kriegspropaganda und Bestimmungsort für sogenannte „Beutefilme“. Zum Schutz vor Luftangriffen verlagerte man Teile des Archivs ab 1943 in einen Salzstock bei Helmstedt. Nach Kriegsende wurden seine Bestände in die Filmarchive der DDR und Bundesrepublik übergeben und nach der Wiedervereinigung wieder zusammengeführt.

Der Dokumentarfilm erzählt mit Hilfe von Zeitzeugen, Filmhistorikern und seltenem Archivmaterial die wechselvolle und spannende Geschichte einer deutschen Institution, in der sich die großen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts spiegeln.

Hier ein interessantes Interview mit dem Regisseur.


DOK am Montag:

EXHIBITION ON SCREEN: PISSARRO - VATER DES IMPRESSIONISMUS

Mo, 30.5., 19:00

Ohne Camille Pissarro gäbe es keinen Impressionismus in der Kunst. Er wird zu Recht als Vater des Impressionismus bezeichnet. 

Es war ein dramatischer Weg, den Pissarro beschritt, und in all der Zeit schrieb er ausgiebig an seine Familie. Diese intimen und aufschlussreichen Briefe sind es, die den Film über Pissarros Leben und Werk so fesselnd machen.

Der auf den Westindischen Inseln geborene Pissarro entdeckte als junger Mann in Paris seine Leidenschaft für die Malerei. Mit 43 Jahren trommelte er eine Gruppe begeisterter Künstler zu einem neuen Kollektiv zusammen. Ihre erste Ausstellung wurde von den Kritikern verhöhnt, aber die Gruppe hatte einen neuen Namen bekommen: die Impressionisten. Für die nächsten 40 Jahre war Pissarro die treibende Kraft hinter dem, was heute zur beliebtesten Kunstrichtung der Welt geworden ist.

Das Ashmolean Museum hat eine lange Tradition großartiger Ausstellungen. Als ältestes öffentliches Museum Großbritanniens überhaupt (es öffnete seine Türen im Mai 1683) beherbergt es eine ungeheuer reichhaltige Sammlung, darunter das bemerkenswerte Pissarro-Archiv. Mit exklusivem Zugang zum umfangreichsten Archiv eines impressionistischen Malers und zur ersten großen Pissarro-Retrospektive seit vier Jahrzehnten erkundet und beleuchtet dieser Film den so spannenden wie bedeutsamen Lebensweg und das Werk eines unglaublichen Künstlers.

Diese große neue Ausstellung im Ashmolean Museum in Oxford ist die erste große Retrospektive seit über 40 Jahren.

Cezanne nannte Pissarro »den ersten Impressionisten«.

Das Ashmolean Museum verfügt über ein enormes und unvergleichliches Archiv mit Pissarros Werken, Korrespondenz und mehr.

In Kooperation mit dem Herzog Anton Ulrich-Museum.


DOK am Montag:

DER WALDMACHER

Mo, 6.6., 19:00

Regie: Volker Schlöndorff, DE 2021, 87 Min., o. A.

1981 kommt der Australier Tony Rinaudo als junger Agrarwissenschaftler in den Niger, um die wachsende Ausbreitung der Wüsten und das Elend der Bevölkerung zu bekämpfen. Radikale Rodungen haben das Land veröden lassen und einst fruchtbare Böden ausgelaugt. Doch Rinaudos Versuche die Wüste durch das Pflanzen von Bäumen aufzuhalten scheitern und nahezu alle seine Setzlinge gehen wieder ein. Doch dann bemerkt er unter dem vermeintlich toten Boden ein gewaltiges Wurzelnetzwerk – eine Entdeckung, die eine beispiellose Begrünungsaktion zur Folge hat und unzähligen Menschen neue Hoffnung schenkt.

Oscar®-Gewinner Volker Schlöndorff widmet seinen ersten Dokumentarfilm dem Lebenswerk von Tony Rinaudo, der seit Jahrzehnten gemeinsam mit afrikanischen Bauern eine simple Schnitttechnik praktiziert und verbreitet. In beeindruckenden Bildern lässt er die Zuschauer daran teilhaben, wie dank der Passion eines Mannes eine ganze Region wieder aufblüht.
Tony Rinaudo wurde 2018 für sein Engagement mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt.


DOK am Montag:

FLY SO FAR

Mo, 13.6., 19:00

Regie: Celina Escher, SE 2020, 88 Min., span. OmdU

FLY SO FAR folgt Teodora Vázquez, der Sprecherin von "The Seventeen", einer Gruppe von Frauen, die wegen schwerem Mordes in El Salvador angeklagt sind, weil sie eine Fehlgeburt hatten. Der Film zeigt Teodoras Weg vom Gefängnis zur Aktivistin für Frauenrechte.

Als der Film beginnt, ist Teodora immer noch im Gefängnis und kämpft für ihre Freiheit. Nach fast elf Jahren Haft kommt sie dank der Hilfe der feministischen Bewegung und von Menschenrechtsorganisationen frei.

Stark und entschlossen kämpft sie weiterhin für die Freiheit der Frauen, die sich noch im Ilopango-Gefängnis befinden, sowie für ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft nach ihrer Freilassung. Im Gefängnis warten die Frauen weiter darauf, dass ihre Urteile überprüft werden.

Der Film beleuchtet die Möglichkeiten des Widerstands durch kollektiven Kampf. Wir werden die Reise der Frauen von Opfern eines frauenfeindlichen und klassizistischen Systems, das Abtreibung unter allen Umständen kriminalisiert, zu Aktivistinnen, die für die Rechte der Frau kämpfen, genau verfolgen.

Wir werden die Frauen in ihrem täglichen Leben im Gefängnis sehen, ihre Zeugnisse hören und in einigen Fällen sehen, wie sie außerhalb von Gefängnisgittern wieder ins Leben zurückkehren. Neben ihrem Kampf werden wir die Argumente der konservativen Akteure zu hören bekommen, die das totale Abtreibungsverbot verteidigen.

FLY SO FAR ist eine Reflexion über ein System, das Frauen bestraft, aber auch über die Möglichkeiten von Empowerment und Widerstand, sowohl aus der Freiheit als auch aus dem Gefängnis.

in Kooperation mit dem Freundeskreis El Salvador und Amnesty International Braunschweig.


DOK am Montag:

DIE AUTOBAHN - KAMPF UM DIE A49

Mo, 20.6., 19:00 - mit Gast und anschließendem Filmgespräch

Die Autobahn A 49 wird neu gebaut. Und das mitten in der Klimakrise. Die Trasse führt durch jahrhundertealte Wälder, vorbei an verschlafenen Dörfern. Über 600 Aktivisten haben in Dannenrod in Mittelhessen 7 "Barrios" mit bis zu 100 Baumhäusern in schwindelerregender Höhe gebaut. Die Räumung durch Spezialeinsatzkräfte der Polizei steht unmittelbar bevor. 

In Planung ist die A 49 schon seit über 50 Jahren. Klagen, Kammmolche und schlicht fehlendes Geld des Bundes verhinderten über Jahrzehnte den Weiterbau der bei Kassel begonnenen Autobahn. Besonders entschiedene Gegner des Autobahn-Neubaus waren die GRÜNEN in Hessen. Sozusagen die DNA ihres Daseins war der Protest dagegen. Und nun muss ausgerechnet der grüne Verkehrsminister, nämlich Tarek Al-Wazir, diesen Autobahnbau mit seiner schwarz-grünen Landesregierung politisch durchsetzen.

Im Dorf Wiera, 16 Luftkilometer vom besetzten Wald in Dannenrod entfernt, wird schon gerodet. Jeder 25. dort gefällte Baum gehört dem Produzenten Klaus Stern. Die Autobahn wird demnächst nur 700 Meter an dem Bauernhof seiner Eltern vorbei führen. Klaus Stern und Frank Pfeiffer begleiten Befürworter der Autobahn, langjährige entschiedene Gegner und Besetzer, adlige Waldbesitzer, Polizisten und Minister während des Rodungs- und Bauprozesses. 

Wie der Kampf um den Bau einer Autobahn die Gesellschaft spaltet.


DOK am Montag:

EL ENTUSIASMO

Mo, 27.6., 19:00

Regie: Luis E. Herrero, ES 2018, 80 Min., Spanisch/Katalanische OmdU, FSK: noch offen

1975 starb Europas letzter faschistischer Diktator: Francisco Franco. Sein Tod machte in Spanien den Weg frei für eine aufbegehrende Jugend, die vieles nachzuholen hatte. Aber auch die exilierten Kämpfer aus dem Spanischen Bürgerkrieg kehrten zurück. In dieser Phase der sogenannten Transición, dem Übergang von der Diktatur zur bürgerlichen Demokratie, schien alles möglich – selbst der Traum, die anarchistische Revolution von 1936 zu vollenden.

Der Film legt den Fokus auf Francos erbittertste Gegner: die Anarchisten und Syndikalisten. Ihre Organisation, die Gewerkschaft Confederación Nacional del Trabajo (CNT), bis zum Sieg Francos ein entscheidender Faktor in der spanischen Gesellschaft, erlebte eine Renaissance.

In nur zwei Jahren wurde aus einer klandestinen Untergrund-Organisation wieder eine Massenbewegung. Sie organisierte Versammlungen mit hunderttausenden Teilnehmern, Libertäre Tage, Streiks und Widerstand gegen den neuen liberalen Kapitalismus. Schnell zerrieb sich dieser Aufbruch allerdings nicht nur in internen Konflikten, sondern wurde auch massiv durch geheimdienstliche Interventionen sabotiert. EL ENTUSIASMO ist auch die Geschichte einer Niederlage.

Zu Gast: Produzent Javier Rueda.


DOK am Montag:

WER WIR GEWESEN SEIN WERDEN

Mo., 1.8., 19:00

Screening mit anschließendem Filmgespräch. Zu Gast: Regisseur Erec Brehmer.

Regie: Erec Brehmer, DE 2021, 81 Min.

Für den Filmemacher Erec Brehmer bricht eine Welt zusammen, als seine langjährige Lebensgefährtin Angelina Zeidler bei einem gemeinsamen Verkehrsunfall stirbt. Mithilfe von Amateuraufnahmen, Sprachnachrichten, Tagebucheinträgen und gemeinsam gehörter Musik begibt er sich auf die Suche nach Orten und Situationen, in denen er seiner verstorbenen Freundin wiederbegegnen kann. So entsteht nicht nur ein kraftvolles, authentisches Dokument einer Trauerbewältigung, sondern auch eine sinnliche Aufforderung an das Leben.

Eine Geschichte über Identität nach dem Verlust eines geliebten Menschen.


DOK am Montag: 

UNSERE HERZEN - EIN KLANG

Mo, 26.9., 19:00

Regie: Torsten Striegnitz, Simone Dobmeier, DE 2022, 108 Min.

Eine besondere Magie liegt im gemeinsamen Singen – da sind sich alle einig, die schon einmal im Chor gesungen haben. Wenn die unterschiedlichsten Stimmlagen in aller Verschiedenheit zueinanderfinden, entsteht eine enorme musikalische Kraft.

UNSERE HERZEN, EIN KLANG geht diesem Zauber nach. Der Film begleitet zwei Chorleiterinnen und einen Chorleiter, die aus einer Gruppe sing-begeisterter Menschen, die teilweise unterschiedlicher nicht sein könnten, Chöre von mitreißender musikalischer Intensität entstehen lassen.

Es ist ein Blick in ein Arbeitsfeld, in dem Nähe und Distanz, Identifikation und Projektion jedes Mal aufs Neue in Balance gebracht werden müssen. Mal spielerisch, mal ernsthaft, aber immer im höchsten Maße fasziniert und offenherzig durchleuchtet der Dokumentarfilm das Chorsingen als eine einzigartige symbiotische Verbindung zwischen allen Beteiligten.

Das überwältigende Gefühl, Teil eines Ganzen zu sein, bestimmt den Rhythmus des Films. Entdeckt wird die Menschlichkeit in der Musik, dort, wo das gemeinsame Klangerlebnis zum sozialen Abenteuer und Moment der Selbstverwirklichung gleichermaßen wird.

Den beiden Filmemachern Torsten Striegnitz und Simone Dobmeier ist mit UNSERE HERZEN, EIN KLANG eine großartige Symbiose aus Musik- und Dokumentarfilm gelungen, die einen lebensnahen Eindruck vom Gemeinschaftsgefühl schafft, was Singen im Chor bedeutet.

Ihr Film findet die Menschlichkeit in der Kunst und die Magie in der Musik. Ein bewegendes und mitreißendes Kinoerlebnis von großer Wärme, das in Zeiten der Isolation die unaufhaltsame Kraft der Gemeinschaftlichkeit betont und verständlich macht, wie Musik Menschen zusammenbringt.