Dokumentarfilme

"Im Dokumentarfilm werden heute oft die spannendsten Geschichten erzählt. Die Themen und erzählerischen Formen sind so vielfältig wie das Leben selbst. Unsere Reihe DOKUMENTARFILME IM UNIVERSUM stellt eine Auswahl vor, mit der wir Sie für das Format begeistern wollen - nicht nur montags." (Volker Kufahl, Geschäftsführer Universum Filmtheater)

Das Universum Filmtheater Braunschweig wurde am 30. Oktober 2025 in Karlsruhe bei der Verleihung der Kino- und Verleihprogrammpreise des Bundes mit einem Preis für das sehr gute Dokumentarfilmprogramm 2024 im Wert von 5.000 Euro ausgezeichnet!


NAZA

So, 18.10., 11:15 & Mi, 21.10., 19:00 in OmU

Nach dem Oscar-Erfolg von NO OTHER LAND kehren Yuval Abraham und Rachel Szor mit einem neuen, hochaktuellen Dokumentarfilm zurück: NAZA feierte am 10. September seine Weltpremiere im Wettbewerb der 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig und wurde dort mit 25-minütigen Standing Ovations aufgenommen.

Über drei Jahre hinweg sprachen Abraham und Szor mit Angehörigen des israelischen Militärs und der Geheimdienste. 24 israelische Geheimdienstoffiziere und Soldaten kommen im Film anonymisiert zu Wort; ihre Stimmen und ihr Erscheinungsbild wurden digital verfremdet. Ihre Aussagen bilden die Grundlage für eine Untersuchung der militärischen Strukturen, Entscheidungsprozesse und Technologien hinter Israels Völkermord in Gaza. 

Nach der Aufführung des Films in Venedig werden die Regisseure nun mit dem Entzug ihrer israelischen Staatsangehörigkeit bedroht. Dazu hier auch der filmdienst.

Hier geht's zur Kritik (auf englisch).

Ausgezeichnet mit dem Spezialpreis der Jury in Venedig, 2026.


EXTRA:

SURF ON, EUROPE!

Mo, 26.10., 18:45 - Eintritt frei

Das Europabüro des Amtes für regionale Landesentwicklung Braunschweig lädt Sie zu einem besonderen Kinoerlebnis ein: SURF ON, EUROPE! verbindet eindrucksvolle Naturaufnahmen mit persönlichen Geschichten dreier Surfer*innen von den britischen Inseln, aus Frankreich und Spanien. 

Die Dokumentation erzählt Geschichten vom modernen Europa und begleitet Surfbegeisterte, die zerrissen sind zwischen der Freiheit der Wellen und den Grenzen der Gesellschaft: Majid, ein Kitesurf-Lehrer in Tarifa, sehnt sich nach seiner Familie in Marokko, die wegen Visa-Beschränkungen dort feststeckt. Margaux organisiert in Biarritz das erste LGBTQ-freundliche Surf-Festival Europas. Und Rosy, ein nordirischer Surfbrett-Shaper, sucht Halt inmitten einer gespaltenen Community. 

Der Film lädt dazu ein, aktuelle europäische Herausforderungen aus ganz neuen Perspektiven zu sehen – sinnlich, nahbar, bewegend. Im Anschluss steht einer der Regisseure online für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.


DOK am Montag:

SALZ UND WASSER

Mo, 2.11., 19:00

Regie: Ines Reinisch, DE 2025, 111 Min., o.A., Dokumentarfilm

Meter um Meter beißt sich der Forschungseisbrecher Polarstern durch das massive Eis der Ostantarktis. An Bord befinden sich die Schiffsbesatzung und die Wissenschaftler*innen, die hier in dieser schon fast unwirklichen Welt der Antarktis ihrer Arbeit nachgehen. Sie untersuchen die Zukunft des mächtigen Antarktischen Zirkumpolarstroms. 

Denn sollte sich dieser aufgrund der globalen Erwärmung südwärts verlagern, bringt er warmes Wasser an die Küste der Ostantarktis. Sollte die Ostantarktis komplett schmelzen, wäre ein globaler Meeresspiegelanstieg von bis zu 52 Metern die Folge. Der Schlüssel der wissenschaftlichen Arbeit liegt aber auch in der Erfahrung und dem Fachwissen der Schiffsbesatzung. Ohne sie wäre Forschung unter diesen extremen Bedingungen nicht möglich.

Mit ihrem persönlichen Blick ermöglicht die Filmemacherin Ines Reinisch an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern ein Verständnis dafür, was eine Expedition wirklich bedeutet: ein hohes Maß an persönlichem Einsatz, Geduld, Mut, Verzicht und ein starkes Bewusstsein für die Verantwortung, die auf der Schiffscrew und der Wissenschaft liegt. 

Die begleitete Polarstern-Expedition wurde ausgerichtet vom Alfred-Wegener-Institut und dem GEOMAR.

In Kooperation mit dem Green Office der TU Braunschweig.


EXTRA:

POLITIK IST PERSÖNLICH

So, 8.11., 11:15 

Zum Filmgespräch zu Gast: Regisseurin Indira Geisel / Moderation: Dirk Assel

“Großvater Alfred, der „Grand Senior der schwäbischen Sozialdemokratie“, versteht die Welt nicht mehr. Sein Sohn Thomas Geisel, früherer SPD-Oberbürgermeister von Düsseldorf, wechselte einfach das Lager. Er schloss sich Sahra Wagenknechts neuer Partei, dem BSW, an. Auch der Rest der Familie ist entsetzt. 

Tochter Indira indes, ebenfalls SPD-Mitglied, vermittelt zwischen den Fronten. Sie und ihre Schwester Maria versuchen den Vater zu verstehen, obwohl das schwer fällt, denn auch sie haben Kritik. „Die SPD tut so, als wäre tiefsitzende Wut über die Welt so etwas wie ein Durchfall, den man in den Griff kriegen muss.“ 

Zwischen Strategieaushandlungen, Feminismus-Debatten und Toskana-Urlaub offenbart sich Wahlkampf als Familienbetrieb. Hochspannend und mit großartigen Texten zur politischen Lage.” (Text: Ina Borrmann, DOKfest München)

Im Rahmen von LETsDOK 2026.


DOK am Montag:

ALBRECHT WEINBERG - ES IST IMMER IN MEINEM KOPF

Mo, 9.11., 19:00

Albrecht Weinberg überlebt den Holocaust. Sechzig Jahre nach dem Exil in Amerika kehrt er in seine alte Heimat Ostfriesland zurück. Nicht, weil er Deutschland noch einmal sehen will, sondern weil er fast blind ist und auf Hilfe angewiesen ist. In Leer kommt er am vermeintlichen Ende seines Lebens an — und findet dort etwas, womit niemand mehr gerechnet hat: einen Neubeginn an der Seite von Gerda Dänekas, einst seine Pflegerin, nun seine Freundin und Mitbewohnerin. Zusammen sind sie die älteste WG Deutschlands.

Und Albrecht beginnt zu erzählen: von seinem Leben, von „Mama“ und „Papa“, von dem, was bleibt, wenn alles verloren ging. Der Zuschauer erlebt, wie Schüler neben dem alten Mann im Rollstuhl hinknien und in Tränen ausbrechen, weil die Wucht seiner Geschichte kaum auszuhalten ist. Albrecht trägt das Grauen in seinem Kopf und im Herzen ein kindliches Vertrauen gegenüber den Menschen, die ihm begegnen. Zugewandt, liebevoll, immer neugierig und offen.

Selbst ein ehemaliger Wehrmachtssoldat, der ihm begegnet, kann daran nichts ändern. Albrecht weint, er lacht, er fährt mit dem Leeraner Bürgermeister Karussell und erinnert sich an jedes Detail einer Vergangenheit, die nicht vergehen darf. Bis zuletzt bleibt seine größte Angst das Vergessen.

Albrecht Weinberg starb am 12. Mai 2026 im Alter von 101 Jahren. Er hinterlässt Hunderte Freunde und Weggefährten sowie seine beste Freundin Gerda, die nun nicht mehr mit Albrecht, aber mit seinem Film durch Deutschland reist – gegen das Vergessen.


DOK am Montag: 

LEICA - EIN JAHRHUNDERT IN BILDERN

Mo, 23.11., 19:00

Vor gut 100 Jahren erfindet LEICA die Kleinbildkamera und verändert damit die Geschichte der Fotografie für immer. Fotografen können nun ihre Kamera mitnehmen und das Geschehen um sie herum dokumentieren. Die Geburtsstunde der Street Photography, Reportage und des Fotojournalismus.

LEICA – EIN JAHRHUNDERT IN BILDERN beleuchtet diesen Wandel der globalen visuellen Kultur und lädt uns ein, 100 Jahre Dokumentarfotografie zu erkunden – mit Werken renommierter Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Sebastião Salgado, Steve McCurry, Jane Evelyn Atwood, Ralph Gibson und Alex Webb sowie zeitgenössischer Künstler wie JR, Greg Williams und Ragnar Axelsson und Hunderten von Bildern ihrer bahnbrechenden Arbeiten.

In Kooperation mit dem Museum für Photographie Braunschweig.

Tickets


DOK am Montag:

FINDING CONNECTION

Mo, 7.12., 19:00

In der digitalen Welt, in der wir leben, wird echte Nähe zur Seltenheit. FINDING CONNECTION erzählt von Menschen, die auf der Suche nach vertrauensvollen Beziehungen und emotionaler Verbundenheit sind. Dabei finden sie paradoxerweise Halt in den Algorithmen von KI-Systemen. Die intimen Gespräche zwischen Mensch und Maschine werfen eine Vielzahl fundamentaler Fragen auf, die weit über den Abspann hinauswirken. Dabei ist die Perspektive des Film erfrischend unvoreingenommen.


DOK am Montag:

HELENE WEIGEL - REVOLUTIONÄRIN IM RAMPENLICHT

Mo, 14.12., 19:00

Bis heute bedeutet sie die Welt für jene Bretter, die die Welt bedeuten. Helene Weigel hat ein unglaubliches Vermächtnis hinterlassen – mit ihrem eigenen Werk und dem ihres Mannes Bertolt Brecht, der an ihr wuchs und nur mit ihr Theatergeschichte schreiben konnte. Von der „lärmendsten Schauspielerin Berlins“, die Anfang der 1920er Jahre mit explosivem Stil und rabiater Behauptungskunst zum Theaterstar der Hauptstadt aufstieg, zur Intendantin des Berliner Ensembles, die altes Kriegsgerät als Theatertechnik verbauen ließ. Sie war eine Macherin, die sich für nichts zu fein war. Ihr Spektrum reichte von der Handwerkerin bis zur Erneuerin des Epischen Theaters, von der Sängerin in Arbeiterkneipen bis zur Matriarchin mit Masterplan, die sich und ihr Theaterhaus gegen alle Verwerfungen der Nachkriegszeit zu wehren wusste. Für viele Menschen in der jungen DDR wurde sie zur Hoffnungsträgerin. 

Der Dokumentarfilm HELENE WEIGEL – REVOLUTIONÄRIN IM RAMPENLICHT füllt eine gravierende Lücke, denn erschütternd wenig wird an den gewaltigen Spielraum erinnert, den Helene Weigel für sich, die Schauspielkunst und die Kulturpolitik erkämpfte. Er lässt teilhaben an diesem verwegenen, rasanten, tragischen Leben, das voller Erschütterungen und unerschütterlicher Energie steckt. Höchste Zeit ist es für die Geschichte dieser Jüdin aus Wien, die zu einer Frau der Extreme wurde.

Mit viel Feingefühl erzählt Regisseurin Maria Wischnewski auch von der privaten Seite dieses hochpolitischen Lebens, von Liebe und Schmerz einer zutiefst menschlichen Heldin. Sie folgt ihren familiären Spuren und Verzweigungen bis in die Generation, die heute in den USA lebt. Mit neuem und aufwendig digitalisiertem Archivmaterial und persönlichen Briefen, gesprochen von Birgit Minichmayr und August Diehl, und flankiert von Zeitzeugen, Erben und Angehörigen, darunter Katharina Thalbach, Johanna Schall und Manfred Karge, entsteht ein kluges Porträt dieser bahnbrechenden künstlerisch-intellektuellen Symbiose zwischen Bertolt Brecht und Helene Weigel.