"Im Dokumentarfilm werden heute oft die spannendsten Geschichten erzählt. Die Themen und erzählerischen Formen sind so vielfältig wie das Leben selbst. Unsere Reihe DOKUMENTARFILME IM UNIVERSUM stellt eine Auswahl vor, mit der wir Sie für das Format begeistern wollen - nicht nur montags." (Volker Kufahl, Geschäftsführer Universum Filmtheater)
Das Universum Filmtheater Braunschweig wurde am 30. Oktober 2025 in Karlsruhe bei der Verleihung der Kino- und Verleihprogrammpreise des Bundes mit einem Preis für das sehr gute Dokumentarfilmprogramm 2024 im Wert von 5.000 Euro ausgezeichnet!
DOK am Montag:
HIDDENSEE
Mo, 24.8., 19:00
Hiddensee, ein nur 17 Kilometer langer Streifen Land in der Ostsee, geliebt als Sehnsuchtsort der Freiheit. Sonnenanbeter, Nacktbader, Künstler, Punks und Prominente strömen seit jeher in Scharen auf die Insel. Der Dokumentarfilm reist durch ein ganzes Jahrhundert bis in die goldenen 1920er zurück, als die intellektuelle Avantgarde hier zu Hause ist – wie Stummfilmstar Asta Nielsen oder Literatur-Nobelpreisträger Gerhart Hauptmann.
Damals wie heute ist Hiddensee gezeichnet von politischen Verwerfungen, die sich im ganzen Land abspielen. Deutschland im Miniaturformat. Mehrere Erzählstränge, verschränkt über Zeiten und Generationen, führen schließlich zu den sich unaufhörlich zuspitzenden Spannungen der Gegenwart.
In hypnotisch schönen Schwarz-Weiß-Bildern verwebt die preisgekrönte Regisseurin Annekatrin Hendel Landschaft, Geschichte und Schicksale zu einem faszinierenden Porträt und blickt wie durch ein Brennglas auf Bewegungen, die weit über die legendäre Ostseeinsel hinausreichen. HIDDENSEE ist ein gleichsam poetisches wie beunruhigendes Kinoerlebnis voller visueller und erzählerischer Kraft.
DOK am Montag:
JEDER ACKER, JEDE FABRIK
Mo, 31.8., 19:00 - Zu Gast: die Filmemacher*innen Johanna Schellhagen und Marco Müller
Für den Dokumentarfilm JEDER ACKER, JEDE FABRIK wurden 50 Arbeiter*innen und Genoss*innen zur Frage des revolutionären Übergangs und die Grundzüge einer neuen gesellschaftlichen Produktionsweise interviewt.
Er beleuchtet die Stärken und Schwächen der letzten großen Klassenbewegungen, die in den 70ern "den Kapitalismus in Bedrängnis gebracht hat" (Sergio Bologna). Genoss*innen aus Italien, Spanien, Portugal und England reden über ihre Erfahrungen, von Fabrikbesetzungen zu kollektiven Preissenkungen, und wie der Staat die Bewegung durch Repression und Integration konfrontierte.
Im Film werden Genoss*innen gefragt, wie man sich vorstellen kann, eine Rätemacht auf eine gesellschaftliche Ebene zu heben, ohne dabei von einem Planstaat oder Marktstrukturen zur Koordination abhängig zu werden. Es wird die Idee der Arbeitszeitrechnung besprochen, die von Rätekommunisten entwickelt wurde, und die Grundzüge einer freien kommunistischen Produktionsweise. Dabei stehen Interviews mit Arbeiter*innen aus den wesentlichen Sektoren, mit ihren Erfahrungen aus Großfabriken, der Landwirtschaft, der Energieversorgung oder dem Gesundheitswesen, im Mittelpunkt.
Wie müsste sich eine Arbeits-und Produktionsweise verändert, so dass alle Produzent*innen nicht nur formal das Recht haben, sich an Entscheidungen zu beteiligen, sondern auch das dafür notwendige Wissen besitzen?
Wenn wir davon ausgehen, dass der Kapitalismus nicht graduell oder über eine wachsende Alternativökonomie überwunden werden kann, stellt sich die Frage eines revolutionären Übergangs. Welche Rolle spielt das Militär, welche Rolle spielen organisierte Strukturen innerhalb der Klassenbewegungen? Was können wir heute tun, um sowohl die "Revolution unter Kolleg*innen als möglich erscheinen zu lassen" (U-Bahnfahrer, London), als auch organisierte Kerne strategisch zu entwickeln?
DOK am Montag:
SALZ UND WASSER
Mo, 21.9., 19:00
Meter um Meter beißt sich der Forschungseisbrecher Polarstern durch das massive Eis der Ostantarktis. An Bord befinden sich die Schiffsbesatzung und die Wissenschaftler:innen, die hier in dieser schon fast unwirklichen Welt der Antarktis ihrer Arbeit nachgehen. Sie untersuchen die Zukunft des mächtigen Antarktischen Zirkumpolarstroms.
Denn sollte sich dieser aufgrund der globalen Erwärmung südwärts verlagern, bringt er warmes Wasser an die Küste der Ostantarktis. Sollte die Ostantarktis komplett schmelzen, wäre ein globaler Meeresspiegelanstieg von bis zu 52 Metern die Folge. Der Schlüssel der wissenschaftlichen Arbeit liegt aber auch in der Erfahrung und dem Fachwissen der Schiffsbesatzung. Ohne sie wäre Forschung unter diesen extremen Bedingungen nicht möglich.
Mit ihrem persönlichen Blick ermöglicht die Filmemacherin Ines Reinisch an Bord des Forschungseisbrechers Polarstern ein Verständnis dafür, was eine Expedition wirklich bedeutet: ein hohes Maß an persönlichem Einsatz, Geduld, Mut, Verzicht und ein starkes Bewusstsein für die Verantwortung, die auf der Schiffscrew und der Wissenschaft liegt.
Die begleitete Polarstern-Expedition wurde ausgerichtet vom Alfred-Wegener-Institut und dem GEOMAR.
EXTRA:
DISUNITED NATIONS - DIE UNO UND DER NAHE OSTEN
Do, 24.9., 19:45
Im Anschluss: live Q&A mit UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese und Regisseur Christophe Cotteret im Livestream.
2025 feierte die UNO ihr 80-jähriges Bestehen – doch statt Jubel herrscht Ernüchterung. Seit Oktober 2023 war die internationale Gemeinschaft außerstande, den von Israel verübten Massakern an palästinensischen Zivilistinnen und Zivilisten in Gaza Einhalt zu gebieten. Der Krieg glich und gleicht nach wie vor einer Bankrotterklärung des Völkerrechts, von Deutschland tatkräftig unterstützt im Namen einer “Staatsräson”.
80 Jahre nach ihrer Gründung im Zeichen des „Nie wieder“ stehen die grundlegenden Prinzipien der Weltorganisation auf dem Spiel. Die „palästinensische Frage“ – der am häufigsten behandelte Konflikt in der Geschichte der UNO – bleibt unlösbar und schürt weiter Spannungen in einer der explosivsten Regionen der Welt.
UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese bezeichnete die Gewalt in Gaza bereits im März 2024 als Völkermord und setzte sich damit Sanktionen, Repressionen und Denunziationen durch die USA, aber auch hierzulande aus.
DISUNITED NATIONS - DIE UNO UND DER NAHE OSTEN führt von New York über Genf bis in den Nahen Osten und dokumentiert die humanitären und politischen Abgründe einer Region am Rande der Katastrophe – und einer Weltorganisation in ihrer tiefsten Krise.
DOK am Montag:
WISE WOMEN - FÜNF HEBAMMEN, FÜNF KULTUREN
Mo, 28.9., 18:30 - Mit Filmgespräch
Der Vorverkauf hat begonnen!
In WISE WOMEN begleitet Regisseurin Nicole Scherg fünf Hebammen aus verschiedenen Teilen der Welt bei ihrer Arbeit: Genet Gebru aus Äthiopien, Aïcha El Fathi aus Marokko, Kanchan Mala Shrestha aus Nepal, Gunda Gutscher aus Österreich und Sheila Santos aus Brasilien. Sie alle unterstützen Frauen in einem der intensivsten und prägendsten Momente ihres Lebens: der Geburt eines Kindes.
Wie Frauen gebären, geht uns alle an. In unterschiedlichen kulturellen, sozialen und medizinischen Kontexten unterstützen die Protagonistinnen Mütter bei einem universellen und zugleich zutiefst individuellen Prozess. Ob im modernen Krankenhaus, im selbstorganisierten Geburtshaus oder unter einfacheren Bedingungen in ländlichen Regionen: Die Hebammen bewegen sich zwischen Kontrolle und Unvorhersehbarkeit, denn eine Geburt folgt keinem Drehplan.
Frauengesundheit, das wird in diesem Film schnell deutlich, folgt immer wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen. WISE WOMEN zeigt eindrücklich, wie unterschiedlich die Voraussetzungen für eine sichere Geburt sein können.
Der Dokumentarfilm begreift Geburt als Grenzerfahrung und findet dabei intime, kraftvolle Bilder für den Beginn des Lebens, der einer Naturgewalt gleicht. Er würdigt jene Frauen, die diesen Moment begleiten und damit die Zukunft buchstäblich in ihren Händen tragen.
EXTRA:
MEETING THE BUDDHA
Sa, 10.10., 11:00 - Vorverkauf läuft!
MEETING THE BUDDHA entfaltet das außergewöhnliche Leben und das zeitlose Vermächtnis des 16. Karmapa, Rangjung Rigpe Dorje – dem Oberhaupt der tibetischen Karma-Kagyü-Linie. Der Dokumentarfilm nimmt mit auf eine emotionale Reise: Er schildert die unbeschwerten frühen Jahre des Meisters in Tibet, die Bewahrung seiner jahrhundertealten Linie im indischen Exil und sein Ziel, die Weisheit des Ostens für die westliche Welt zugänglich zu machen.
Der Wendepunkt dieser Entwicklung war das Jahr 1969, als der wilde, unangepasste Hippie aus Dänemark Ole Nydahl und seine Frau Hannah im Himalaya auf den 16. Karmapa trafen. Schon als kleines Kind hatte Ole den Wunsch verkündet, einmal der „dänische Meister des Geistes“ zu werden. Diese tief gehende Begegnung verändert das Leben von Ole und Hannah radikal.
Aus dieser engen Schüler-Lehrer-Verbindung entstand die Grundlage für ihre zukünftige Arbeit: Dem Wunsch ihres Lehrers folgend, reisen Lama Ole und Hannah fortan rund um die Welt. Sie haben über Jahrzehnte hinweg weltweit tausende Menschen berührt, den Buddhismus zu praktizieren, und im Namen von Karmapa weltweit Meditationszentren gegründet. So bleibt diese uralte Übertragung bis heute lebendig.
DOK am Montag:
LEICA - EIN JAHRHUNDERT IN BILDERN
Mo, 23.11., 19:00
Vor gut 100 Jahren erfindet LEICA die Kleinbildkamera und verändert damit die Geschichte der Fotografie für immer. Fotografen können nun ihre Kamera mitnehmen und das Geschehen um sie herum dokumentieren. Die Geburtsstunde der Street Photography, Reportage und des Fotojournalismus.
LEICA – EIN JAHRHUNDERT IN BILDERN beleuchtet diesen Wandel der globalen visuellen Kultur und lädt uns ein, 100 Jahre Dokumentarfotografie zu erkunden – mit Werken renommierter Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Sebastião Salgado, Steve McCurry, Jane Evelyn Atwood, Ralph Gibson und Alex Webb sowie zeitgenössischer Künstler wie JR, Greg Williams und Ragnar Axelsson und Hunderten von Bildern ihrer bahnbrechenden Arbeiten.
In Kooperation mit dem Museum für Photographie Braunschweig.

