Noam Shuster Eliassi wuchs als Aushängeschild des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses auf, bevor sie sich entschlossen der Stand-up-Comedy und politischen Satire zuwandte. Doch während die Region immer tiefer in verheerende Gewalt versinkt, muss sie sich der Situation stellen und ihr Publikum mit harten Wahrheiten konfrontieren, die kein Grund zum Lachen sind.
"Im Dokumentarfilm werden heute oft die spannendsten Geschichten erzählt. Die Themen und erzählerischen Formen sind so vielfältig wie das Leben selbst. Unsere Reihe DOKUMENTARFILME IM UNIVERSUM stellt eine Auswahl vor, mit der wir Sie für das Format begeistern wollen - nicht nur montags." (Volker Kufahl, Geschäftsführer Universum Filmtheater)
Das Universum Filmtheater Braunschweig wurde am 30. Oktober 2025 in Karlsruhe bei der Verleihung der Kino- und Verleihprogrammpreise des Bundes mit einem Preis für das sehr gute Dokumentarfilmprogramm 2024 im Wert von 5.000 Euro ausgezeichnet!
DOK am Montag:
TRIEGEL TRIFFT CRANACH - MALEN IM WIDERSTREIT DER ZEITEN
Mo, 9.2., 19:00
Michael Triegels Malerei unterscheidet sich vehement von der seiner Leipziger Schule Kollegen, allen voran von der seines Freundes Neo Rauch. Triegel malt wie die Alten Meister und nennt Michelangelo, Raffael und Dürer seine Vorbilder.
2020 erhält Triegel einen außergewöhnlichen Auftrag: Er soll den zerstörten Mittelteil des Altars im Naumburger Dom gestalten. Fast 500 Jahre zuvor fiel das Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren einem Bildersturm zum Opfer, nur die Seitenflügel blieben erhalten und weil es keinerlei Aufzeichnungen der Darstellung der Gottesmutter Maria mit Kind gibt, muss Michael Triegel ein gänzlich neues altes Gemälde fertigen.
Regisseur Paul Smaczny („Die Thomaner“) begleitete den Maler Michael Triegel mehrere Jahre und zeigt überaus detailliert und erkenntnisreich das Entstehen eines bedeutenden Kunstwerkes. Dabei öffnet Triegel nicht nur die Türen zu seinem Atelier, sondern gewährt tiefe Einblicke in sein Verständnis von Leben, Kunst und Religion.
In Kooperation mit dem Herzog Anton Ulrich Museum und dem Freundeskreis bildender Künstler Braunschweig.
Ab 12. Februar:
COEXISTENCE, MY ASS!
COEXISTENCE, MY ASS! von Regisseurin Amber Fares begleitet die israelische Aktivistin und Komikerin Noam Shuster Eliassi bei der Entstehung ihrer gleichnamigen Comedy-Show. Der Film, der über einen Zeitraum von fünf turbulenten Jahren gedreht wurde, zeichnet Noams persönlichen, beruflichen und politischen Werdegang vor dem Hintergrund der stetigen Verschlechterung der Lage in der Region nach. Aufgewachsen in einem zweisprachigen israelisch-palästinensischen Dorf – der einzigen bewusst integrierten Gemeinde des Landes – verliert Noam zunehmend den Glauben an den traditionellen Friedensaktivismus. Sie wendet sich dem Stand-up-Comedy zu und erregt schnell Aufmerksamkeit im gesamten Nahen Osten. Doch während ihr Stern steigt, bricht alles um sie herum zusammen.
Mit beißender Satire konfrontiert Noam ihr Publikum mit schwierigen Wahrheiten, die nicht immer lustig sind, uns aber daran erinnern, dass eine andere Realität möglich ist.
In der Oscar-Vorauswahl 2026 - Kategorie „Documentary Feature Film“.
DOK am Montag:
ASTRID LINDGREN – DIE MENSCHHEIT HAT DEN VERSTAND VERLOREN
Mo, 16.2., 19:00
Der Film erzählt mit dokumentarischen und szenischen Bildern aus der Sicht von Astrid Lindgren und ihrer Tochter Karin, ihrer Enkelin Annika und ihrem Großenkel Johan anhand der Kriegstagebücher die wahre Geschichte hinter dem Erfolg der Weltautorin. Dabei gehen die Nachkommen bei der Lektüre und in Gesprächen miteinander auch den schmerzhaften Ereignissen im privaten Leben Astrid Lindgrens nach.
Astrid Lindgren, die vor allem durch ihre Kinderbücher wie „Pippi Langstrumpf“, „Michel aus Lönneberga“ und „Ronja Räubertochter“ bekannt wurde, prägte mit ihren Werken Generationen von Leser*innen. ASTRID LINDGREN – DIE MENSCHHEIT HAT DEN VERSTAND VERLOREN nähert sich der Autorin auf neue Weise, widmet sich ihren Tagebüchern, die zwischen 1939-1945 entstanden sind und erzählt von der noch unbekannten Astrid Lindgren als Chronistin des Zweiten Weltkriegs.
Die erst 2015 veröffentlichten und in mehr als 20 Sprachen übersetzen Kriegstagebücher von Astrid Lindgren lagen 70 Jahre lang in ihrem Schlafzimmer im Wäscheschrank verborgen. Sie sind eine einzigartige Dokumentation aus der Sicht einer Mutter und frühen Feministin der Schrecken von Diktatur und Terror – und appellieren leidenschaftlich an Mitmenschlichkeit, Frieden und Gleichberechtigung.
DOK am Montag:
ARCHITEKTUR DES GLÜCKS
Mo, 23.2., 19:00 - zu Gast: Regisseur Anton von Bredow
Eine Spielbank -die größte in Europa- meldet Konkurs an und reißt ein ganzes Dorf mit in die Pleite. Das ist absurd, tragisch und erhellend.
Campione d’Italia liegt, umrahmt vom schweizerischen Tessin, am Luganer See. Seit fast hundert Jahren lebte die Exklave ausschließlich von diesem Casino, sowohl wirtschaftlich als auch im Selbstverständnis seiner Einwohner. Es war Arbeitgeber für wirklich jede Familie, und es war Glamour und Weltläufigkeit, Autorennen, Sophia Loren, Frederico Fellini. Die Pelzmäntel, die Karossen! Ihr Abglanz vergoldete alle.
Doch dann meldet das Casino im Jahr 2018 über Nacht Konkurs an. Pleite ist seitdem auch die Gemeinde und arbeitslos sind ihre Bewohner und Bewohnerinnen. Tristesse liegt über den Gassen und Promenaden; über alledem brütet das Casino als ein sinnlos gewordener Koloss.
Der Film unternimmt eine Feldforschung in diesem einzigartigen Mikrokosmos und findet eine unheilvolle Mischung aus Sorglosigkeit, Selbstvergessenheit und Realitätsverlust: eine Parabel auf unser aller Beharrlichkeit im Angesicht der Krise.
In Kooperation mit dem Bund deutscher Architektinnen und Architekten Niedersachsen.
DOK am Montag:
BLAME
Mo, 2.3., 19:00
Ein bildgewaltiges Plädoyer für die Wissenschaft.
Desinformation ist zu einem Instrument geworden, um Wissenschaftlerinnen und Gesundheitsexperten anzugreifen und zu diskreditieren und damit politische Vorteile zu erzielen. Populäre Mythen und unbelegte Narrative spielten auch eine wichtige Rolle für die Wiederwahl von Präsident Trump.
In BLAME begleitet Regisseur Christian Frei (WAR PHOTOGRAPHER) die Wissenschaftler*innen Linfa Wang, Peter Daszak und Zhengli Shi, die zu den Ursprüngen von COVID-19 forschen und sich massiven Anfeindungen ausgesetzt sehen.
Als sie vor Pandemien in der Zukunft warnten, wurden sie nicht gehört. Als die Welt von der COVID-19-Pandemie heimgesucht wird, müssen dieselben Wissenschaftler nicht nur gegen das Virus kämpfen, sondern auch gegen eine Welle von Fehlinformationen, Verschwörungstheorien und politischer Schuldzuweisung, die drohen, die Wahrheit zu überlagern.
Dies ist ihre Geschichte.
Nach Jahren des Eintauchens in entlegenen Fledermaushöhlen geraten drei Forschende ins grelle Licht der Politik und schwerer Anschuldigungen. Die überhörten Warner müssen sich rechtfertigen. BLAME ist eine bildgewaltige Filmreise über die Rolle der Wissenschaft in zunehmend dunkleren Zeiten. Sachlich und unaufgeregt zeigt der Film, wie die Welt durch das gezielte Schüren und Bewirtschaften von Ängsten und faktenfreien Mythen aus den Fugen geriet.
Regisseur Christian Frei wurde für seinen Film WAR PHOTOGRAPHER für den Oscar nominiert, und für seinen Film SPACE TOURISTS gewann er den World Cinema Directing Award beim Sundance Festival.
EXHIBITION ON SCREEN:
TURNER & CONSTABLE
Mo, 16.3., 19:00 in OmU
Zwei der größten britischen Maler, William Turner und John Constable, waren auch die größten Rivalen. Beide erblickten mit nur einem Jahr Abstand das Licht der Welt – und beide nutzten die Landschaftsmalerei, um die sich verändernde Welt um sie herum zu dokumentieren. Das Tate Britain-Museum in London mit der weltweit umfangreichsten Sammlung britischer Kunst bringt diese beiden Meister für eine spektakuläre Ausstellung zusammen, die von November 2025 bis April 2026 läuft.
Exhibition on Screen hat wieder einmal exklusiven Zugang zur Ausstellung, um die außergewöhnliche Kunst und Lebensgeschichte dieser beiden Männer im März 2026 auf die große Leinwand zu bringen. Verpassen Sie nicht die Gelegenheit, diese beiden großartigen Maler Seite an Seite – wie so oft in ihrem Leben – und zum ersten Mal im Breitwandformat zu erleben.
Turners glühende Sonnenuntergänge und phantastische Reiseszenen wie auch Constables idealisierte Darstellungen von geliebten Orten seiner Heimat versetzten die damalige Öffentlichkeit in einen Rausch der Begeisterung. Kritiker verglichen ihre völlig unterschiedlichen Stile mit dem Aufeinandertreffen von »Feuer und Wasser«.
Ab 19. März:
DIE WILDE NORDSEE
Ein atemberaubender Blick unter eine bislang verborgene Oberfläche: DIE WILDE NORDSEE entführt das Publikum auf eine spektakuläre Reise durch eines der unerforschtesten, rauesten und zugleich faszinierendsten Meere Europas.
Zwischen tosenden Wellen und geheimnisvollen Tiefen entfaltet sich das verborgene Leben der Nordsee – mit eindrucksvollen Bildern, seltenen Tierbegegnungen und berührenden Geschichten aus einer Welt im Wandel. Ein visuell überwältigendes Naturerlebnis, das Staunen weckt – und zum Nachdenken anregt.
EXTRA:
KEIN LAND FÜR NIEMAND - ABSCHOTTUNG EINES EINWANDERUNGSLANDES
Mi, 1.4., 19:00 - Eintriff frei!
Deutschland steht an einem historischen Wendepunkt: Erstmals seit 1945 wird im Jahr 2025 ein migrationspolitischer Entschließungsantrag im Bundestag angenommen – mit Unterstützung der AfD, die vom Verfassungsschutz wegen rechtsextremer Bestrebungen beobachtet wird.
Die Erklärung zur Begrenzung der Zuwanderung sieht unter anderem eine vollständige Schließung der deutschen Grenzen vor. Ein Paradigmenwechsel kündigt sich an: weg vom Schutz von Geflüchteten, hin zu Abschottung und Abschreckung.
KEIN LAND FÜR NIEMAND - ABSCHOTTUNG EINES EINWANDERUNGSLANDES begibt sich auf die Suche nach den Ursachen dieser politischen Zäsur und nimmt die Zuschauer*innen mit auf eine aufrüttelnde Reise. Die Dokumentation beginnt an den europäischen Außengrenzen, wo eine andauernde humanitäre Katastrophe auf staatliche Ignoranz trifft, aber auch auf ziviles Engagement.
Sie begleitet einen Rettungseinsatz auf dem Mittelmeer, dokumentiert die katastrophale Lage aus der Luft und erzählt die Geschichten von Überlebenden, die trotz Gewalt und tödlicher Risiken den Weg nach Deutschland gefunden haben.
Während Deutschland dazu beiträgt, eine europäische Festung zu errichten, gerät die politische Landschaft ins Wanken. Von emotionalisierten Medienberichten bis zu hilflos nach rechts rudernden Politiker*innen zeichnet sich eine gesellschaftliche Erzählung ab, die sich gegen Migrant*innen und Schutzsuchende richtet. Ist Migration überhaupt das große Problem, zu dem es gemacht wird? Oder offenbart die Abschottungspolitik tiefere gesellschaftliche Ängste?
In eindringlichen Geschichten zeigt der Film eine zunehmend beängstigende Realität aus Sicht von Geflüchteten und analysiert die Dynamiken hinter dem historischen Rechtsruck. Im Dialog mit Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Publizist*innen fordert KEIN LAND FÜR NIEMAND - ABSCHOTTUNG EINES EINWANDERUNGSLANDES dazu auf, den brutalen Status quo und die scheinbar unaufhaltsame Radikalisierung der Migrations- und Asyldebatte in Frage zu stellen.
Denn damit es auch in Zukunft bei einem glaubhaften „Nie wieder“ bleibt, brauchen wir Alternativen – Alternativen, die der unvermeidbaren Realität von Migration in einer krisenhaften Welt und einem Einwanderungsland im Umbruch gerecht werden.
Eine Veranstaltung der Naturfreundejugend Braunschweig.

